Jedes Kind, das in eine Familie hineingeboren wird, hat ein leibliches Elternpaar. Dadurch entsteht eine instinkthafte Bindung und eine natürliche unbewusste Zugehörigkeit zu diesen Eltern und zu dieser Familie. Diese Bindung ist bedingungslos und so stark, dass das Kind bereit ist, z. B. das Schicksal der Eltern zu teilen oder alles zu geben, was immer es kostet, um die Zugehörigkeit zu behalten. Und sei es das eigene Leben. Diese tiefe Liebe zur Familie wird Urliebe oder primäre Liebe genannt.
Die primäre Liebe ist eine grundlegende Prägung, die für das ganze Leben gilt. Sie duldet niemals, dass sich ein Kind gegen die Eltern oder ein anderes Mitglied des Familiensystems stellt. Damit ist diese Liebe eine absolute Liebe und noch stärker als die Liebe der Eltern zu ihren Kindern.
Aus dieser Dynamik heraus übernehmen Kinder Fremdgefühle, Lasten und Leiden für Familienmitglieder mit der unbewussten Glauben, diesen Familienmitgliedern das Leben oder Schicksal zu erleichtern. Sie erleben es sogar als Verrat an diesen Familienmitgliedern, wenn es ihnen selbst besser geht als diesen. Aus dieser tiefen Liebe fühlen sich Kinder oft ebenso traurig, leer, heimatlos oder folgen ihnen manchmal sogar bis in den Tod.
Familienaufstellungen offenbaren diese kindliche Urliebe als Auslöser vieler Konflikte und versöhnen so mit dem eigenen Schicksal und dem der Familie.